Thüringen im Jahrhundert der Reformation - Projektskizze

Lutherrose001Die Ausbreitung und Verfestigung der lutherischen Reformation ist untrennbar mit dem mitteldeutschen Raum verbunden - insbesondere mit dem heutigen Freistaat Thüringen; einem Kernland der Reformation. Ursächlich dafür sind nicht zuletzt die herausragende Rolle des ernestinischen Kurfürsten Friedrich III. und die reichsweite Strahlkraft der Städte Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen. Legt man dieser Beobachtung die Summe der Kriterien (1.) Anfänge und Rezeption der evangelischen Bewegung, (2.) Außenwahrnehmung (3.) irreversible Ausbreitung der Bewegung in Stadt und Land sowie (4.) Aufbau eines evangelischen Kirchenwesens zugrunde, ist Thüringen zweifellos als die Pionierregion der lutherischen Reformation überhaupt anzusprechen.

Freiheit001Im Fokus des Forschungsvorhabens stehen die tiefgreifenden politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Veränderungen, die durch die evangelische Bewegung Wittenberger Prägung ausgelöst, beschleunigt oder modifiziert worden sind. Ausgehend von überaus erfolgreichen und wirkmächtigen Forschungsprojekten (z.B. der Tübinger SFB "Spätmittelalter und Reformation" 1970-1984) und auf Grundlage der Konzepte "Vorreformation" und "Konfessionalisierung". Gerade für Thüringen, dem Kernland der Reformation, müssen im Kontext der bisherigen Reformationsforschung zahlreiche empirische Defizite konstatiert werden. Deshalb gilt es, die genannten Forschungsprojekte und -konzepte nach mikrohistorischen und regionalspezifischen Prinzipien auf das Thüringen des 16. Jahrhunderts innovativ und empirisch gesättigt anzuwenden. Somit stehen vorrangig jene grundlegenden Transformationsprozesse im Fokus, die Kirche und Staat, Justiz und Rechtsprechung, städtisches Milieu und bäuerliche Gemeinden sowie Schule und Universität erfasst haben. Die damit verbundenen Umgestaltungen wirkten in vielfältiger Weise u.a. auf soziale und institutionelle Formationen, die Frömmigkeit, soziale Devianz und subversives Handeln wie letztlich auch auf normiertes Sozialverhalten; es ist dabei stets kritisch nach dem innovativen Potential der Reformation zu fragen.

Drei Bauern002Die genannten Überlegungen und Erkenntnisse aufzugreifen und fortzuführen ist notwendiges und erklärtes Ziel der fünf im Rahmen des Projektes entstehenden Qualifizierungsarbeiten. Dabei gilt es vor allem den religiös-kulturellen und gesellschaftlichen Wandel Thüringens im "langen 16. Jahrhundert" problemorientiert und durchaus überregional vergleichend zu untersuchen. Zu den hierbei zu bearbeitenden Forschungsfeldern gehören vorrangig die Entwicklung und Entfaltung des städtischen und ländlichen Schulwesens, der Umgang mit Armut, die Stigmatisierung der Armen sowie die sich verändernde Bekämpfung von Armut und Bedürftigkeit, die Kirchenpolitik der Kurfürsten Friedrich III. sowie des Herzogs und Kurfürsten Johann, die vielfältigen verfassungsrechtlichen Modifizierungen an den Universitäten, vorrangig in Jena, aber auch im Vergleich zu Erfurt, Wittenberg und Leipzig, sowie der Frömmigkeitswandel und diesbezüglich die Ausbreitung und Einführung der Reformation in der ländlichen Gesellschaft. → Forschungsprojekte

Friedrich der Weise002Neben diese mittelfristigen Forschungsvorhaben treten jährlich stattfindende Fachtagungen. Ihren Anfang nahm diese Reihe bereits im September 2013 im Rahmen der Veranstaltung "Der Altar von Lucas Cranach d. Ä. in Neustadt an der Orla und die Kirchenverhältnisse im Zeitalter der Reformation" (Fachtagung, 12.-14. September 2013 in Neustadt an der Orla). Als ein weiterer Projektbaustein richtet sich eine viermal im Jahr und an wechselnden Orten stattfindende Vortragsreihe mit breit angelegten Themenschwerpunkten vorrangig an das Publikum der interessierten Laien. → Veranstaltungen


Alle drei genannten Bestandteile des Projektes - Qualifizierungsschriften, Fachtagungen, Vortragsreihe - werden zudem in zwei neu gegründeten Schriftenreihen veröffentlicht und damit die gewonnenen Erkenntnisse der interessierten Öffentlichkeit wie der Fachwelt präsentiert. → Publikationen