Projekte

Die Reformation und das Schulwesen.

(Andreas Dietmann)


Armut und Armutsbekämpfung im Jahrhundert der Reformation.

(Julia Mandry)


Kurfürst Johann von Sachsen und die Reformation.

(Doreen von Oertzen Becker)


Die Reformation auf dem Land.

(Martin Sladeczek)


Reformation und Universität.

(Philipp Walter)



Projektskizzen

Die Reformation und das Schulwesen

Arbeitstitel: Das Schulwesen Thüringens im 15. und 16. Jahrhundert

Am Ende des Mittelalters hatte sich in den Städten eine große Vielfalt von Schultypen herausgebildet, von lateinischen Pfarr- und Ratsschulen, deutschen Schreib- und Rechenschulen bis zu kleinen, privat geführten Winkelschulen. Um das Schulwesen zu organisieren, es in die gesellschaftlichen Belange der Stadt einzubinden, Missbrauch zu verhindern und gegen das konkurrierende Winkelschulwesen einzuschreiten, wurden mancherorts Schulordnungen erlassen, welche die Leistungen der Lehrer und Schüler regelten.In dieser Situation befand sich das Schulwesen am Beginn des 16. Jahrhunderts, als es aufgrund der antiklerikalen Einflüsse der frühen Reformationszeit zu dessen Verfall kam. In den folgenden Jahren widmete sich Martin Luther daher durch mehrfachen Appell an die Städte und Bürger dem nachlassenden Interesse an schulischer Bildung. Er bewirkte auf diese Weise und durch die Mitarbeit seiner Anhänger die Entstehung eines neuen, reformatorisch geprägten Schulwesens. Dieses war eng mit der neuen Konfession verbunden und fand daher als Teil der sich entwickelnden Landeskirche Aufnahme in die zahlreichen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. Diese skizzierte Entwicklung des Schulwesens soll anhand des thüringischen Raumes untersucht und nachvollzogen werden. Neben einer Analyse der Schulordnungen, die - nach vereinzelten Bemühungen in vorreformatorischer Zeit - im 16. Jahrhundert einen enormen Aufschwung erhielten, wird die Untersuchung der spezifischen Entwicklung einzelner Schulen anhand einer Auswahl repräsentativer Städte im Vordergrund stehen. Ein Blick auf die fortschreitende Herausbildung der reformatorischen Schule in weiteren Städten, aber auch in den ländlichen Gebieten, wird durch die Ergebnisse der Visitationen, die ihr Augenmerk neben den kirchlichen Umständen auch auf die Schulen richteten, ermöglicht. Ziel der Arbeit ist der direkte Vergleich des vorreformatorischen Schulwesens mit dem des 16. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen dabei Verbreitung, Trägerschaft und Organisation, aber auch Inhalt und Frequentierung der Schulen.



Armut und Armutsbekämpfung im Jahrhundert der Reformation

Arbeitstitel: Die Armenfürsorge und Armutsbekämpfung in Thüringen
im späten 15. und im 16. Jahrhundert

Das Verständnis für den Begriff und den Zustand 'Armut' unterlag und unterliegt auch noch heute zahlreichen Wandlungen. Dementsprechend wird die Untersuchung der öffentlichen Armenfürsorge und Armutsbekämpfung in Thüringen im späten 15. und im 16. Jahrhundert grundsätzlich vom Wandel, seinen Bedingungen und Zusammenhängen geprägt sein. Der konfessionelle Umbruch im 16. Jahrhundert zog spezifische Veränderungen nach sich, verschleiert aus der Rückschau aber auch vorreformatorische Entwicklungs- und Umformungstendenzen. Im Zentrum stehen dabei die Änderungen in den Moralvorstellungen und Werteansichten sowie die Neuerungen im Umgang mit Armut und Bettel. Die Untersuchung soll demgemäß eine Bestandsaufnahme und Dokumentation von Veränderungen und Entwicklungsprozessen darstellen. Unter diesem Fokus sollen Quantitäten und Qualitäten sowie neu entstehende Strukturen wie die Einführung und Aktivität Gemeiner Kästen speziell für den Raum Thüringen analysiert werden. Es gilt dabei, die Rolle der Reformation für die Entwicklung ebenso aufzuzeigen, wie Kontinuitätslinien aus der vorreformatorischen Zeit zu berücksichtigen. Die Bearbeitung wird sich, neben einer flächendeckenden Bestandsaufnahme der thüringischen Hospitäler, auf die detailierte Analyse und vergleichende Untersuchung von Beispielstädten konzentrieren, wobei sich die Auswahl an landes- wie stadtherrlichen Zugehörigkeiten und geografischer Verteilung orientiert. Neben der inhaltlichen Auswertung und Erschließung von Ordnungen und Bestimmungen sowohl im gesellschaftlich-moralischen als auch im institutionellen Bereich wird ein besonderer Fokus auf die Aufnahme und Auswertung von Rechnungslegungen gelegt. Gerade im Kontext der Gemeinen Kästen, aber auch bei den anderen Institutionen, sollen Wandlungen im Geber- und Empfängerkreis ebenso untersucht werden, wie finanzielle Entwicklungen. Ziel ist es, ein repräsentatives Bild über Wandlungsprozesse, Organisation und Handlungsfähigkeit des thüringischen Armenwesens entstehen zu lassen.



Kurfürst Johann von Sachsen und die Reformation

Arbeitstitel: Kurfürst Johann von Sachsen und die Wittenberger Reformation.
Kirchenpolitik zwischen 1517 und 1532

Obwohl die Wittenberger Reformation und ihre Protagonisten ein seit langer Zeit sehr intensiv erforschtes Themenfeld darstellen, fehlt es bis zum heutigen Zeitpunkt an einer systematischen und zusammenhängenden Darstellung zur Rolle des sächsischen Herzogs und späteren Kurfürsten Johann dem Beständigen. Um diese Forschungslücke zu schließen, ist eine Betrachtung aus unterschiedlichen Perspektiven notwendig. So ist es vor allen in den Jahren bis 1525 unumgänglich, sein Verhalten im Zusammenspiel mit seinem Bruder, dem wesentlich bekannteren Friedrich dem Weisen, zu untersuchen. Da sich in dieser Zeit die von beiden Fürsten getroffenen Entscheidungen nur schwer voneinander trennen lassen, ist es besonders wichtig herauszuarbeiten, wo sich entscheidende eigene Impulse und Initiativen Johanns zur Kirchenpolitik in Kursachsen im Allgemeinen und seinem thüringischen Landesteil im Besonderen ausmachen lassen. Damit eng verknüpft ist auch die Prüfung in welcher Art und Weise Johann Kontakte zu verschiedensten Persönlichkeiten der Reformation unterhielt und wie diese ihn beeinflussten und prägten. Eine weitere Säule stellt die Analyse diverser, quellentechnisch gut belegter, Fallbeispiele dar, in welcher Art und Weise religiös motivierte Konfliktsituationen gelöst wurden, wie beispielsweise Streitigkeiten mit Herzog Georg um die Prediger auf dem Schneeberg. Diese Punkte sollen mit denen von Johann durchgeführten kirchenpolitischen Maßnahmen, wie Visitationen, Sequestrationen und beginnende Säkularisationen verbunden und bewertet werden, um schließlich, soweit möglich, ein Gesamtbild zum kirchenpolitischen Wirken Johanns des Beständigen zu zeichnen.



Die Reformation auf dem Land

Arbeitstitel: Die Reformation auf dem Land in Thüringen

Die Reformationsforschung in Deutschland war in den letzten Jahrzehnten ein "urban event". Regionale und überregionale Untersuchungen zur Verbreitung der neuen Lehre in der ländlichen Gesellschaft sind hingegen selten. Das wenige Bekannte wird von Vorurteilen überschattet, etwa einer deutlich späteren Rezeption reformatorischer Ideen durch die Bauern oder einer zentralen Einführung der Reformation in einem bestimmten Gebiet, geprägt durch eine Visitation. Dabei hatte die einzelne Gemeinde bereits im Spätmittelalter gewisse Befugnisse gewonnen, so z. B. die Verwaltung des Kirchenbesitzes. Ausgehend von einer Beschreibung der kirchlichen und gesellschaftlichen Zustände in den Dörfern vor der Reformation, sollen im Rahmen der Untersuchung die Einführung und Stabilisierung der neuen Lehre und deren Folgen in den Dörfern verschiedener Herrschaftsgebiete des thüringischen Raumes betrachtet werden. Durch die starke Zersplitterung des Untersuchungsgebietes trifft die reformatorische Welle auf viele verschiedene herrschaftliche Voraussetzungen (landesherrliche Gewalt, geistliche Gebiete, niederer Adel, städtische Landgebiete), die eine sehr heterogene Reformationsentwicklung zur Folge haben. Welche Einflüsse waren maßgeblich für die Umsetzung der Reformation in den einzelnen Dörfern? Welchen Gestaltungsspielraum hatten die Einwohner eines Dorfes? In welchen Zeiträumen und wie linear veränderten sich die Frömmigkeit und die Organisation des kirchlichen Lebens? Wie betraf der Wandel der Reformationszeit herrschaftliche und gesellschaftliche Strukturen? Außer den Visitationsprotokollen, die doch allzu leicht das Bild einer obrigkeitlich durchorganisierten Reformation entwerfen, wird eine Vielzahl von Quellenarten herangezogen. Hierbei ist natürlich das allgegenwärtige Problem der geringen Schriftlichkeit aus der Gemeinde zu berücksichtigen.



Reformation und Universität

Arbeitstitel: Akademische Landstandschaft im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung -
Die Universitäten Leipzig, Wittenberg und Jena auf den Landtagen des 16. und 17. Jahrhunderts

Den Fragen der Verwurzelung reformatorischer Ideen und ihrer Apologeten wie die ihrer vehementesten Gegner in den Universitäten, wie ganz allgemein die nach den Auswirkungen reformatorischen Gedankenguts auf die Institution selbst, wurde seitens der historischen Forschung breiter Raum eingeräumt und blieb nicht frei von verzerrten Bildern und einseitigen Urteilen. Prominent herauszustellen wäre hierbei etwa die Kontroverse über die negativen Implikationen der Reformation auf die Hohen Schulen, die letztlich zu deren Niedergang in den 1520er Jahren geführt hätten und die Korrekturen, die Teilen der Forschung in den letzten Jahrzehnten diesbezüglich gelang. Unbestritten ist jedoch, dass infolge der Reformation die Bedeutung der Universitäten für den sich ausbildenden frühmodernen Territorialstaat -ungeachtet der konfessionellen Orientierung- enorm anwuchs. Die Beamten- und Theologenausbildung, die Sicherung der "wahren" Religion, die Funktion ihrer Professoren als obrigkeitliche Ratgeber und Funktionsträger machten die Hohen Schulen zu Kleinodien, derer sich kein bedeutender Reichsfürst entziehen konnte. In einigen protestantischen Reichsterritorien führte diese Entwicklung dazu, dass die Universitäten als solche und nicht in Vertretung bestimmter landsässiger Güter zu Landständen aufstiegen; ein Novum im Reich und nur für die hessischen und wettinischen Territorien nachzuweisen. Systematische Untersuchungen dieses Phänomens liegen nicht vor, wie auch ganz allgemein konstatiert werden muss, dass die einschlägigen stände-, universitäts- und reformationsspezifischen Arbeiten bisher kaum Notiz davon nahmen. Ziel der Untersuchung ist es, die konkreten Umstände herauszuarbeiten, unter denen die wettinischen Universitäten Leipzig, Wittenberg und Jena mit landständischen Qualitäten und Rechten versehen wurden, wie sich ihr konkretes Wirken und das ihrer Deputierten im Rahmen der Landesversammlungen gestaltete und wie die Universitäten als ständische "Aufsteiger" von Seiten ihrer Mitstände wahrgenommen und beurteilt wurden. Spezielles Augenmerk soll dabei auf den Möglichkeiten und Grenzen akademischer Landstandschaft liegen. Diesen wird unter anderem anhand der durch die Hohen Schulen vorgebrachten Gravamina und Anliegen und deren möglich Abstellung oder Umsetzung nachgegangen.